Die "Mißgeburten von Versailles"
oder: Was Osteuropa dem Westen zu verdanken hat
Als im September 1939 der neue polnische Staat gerade mal 20 Jahre nach seiner Gründung aufhörte zu bestehen, kommentierte der sowjetische Außenminister Molotow dies sinngemäß mit den Worten:"Jetzt ist diese "Mißgeburt von Versailles" endlich von der Landkarte getilgt worden."
Das damalige Polen als "Mißgeburt von Versailles" zu bezeichnen, erscheint heute als ein hartes Urteil. Zur damaligen Zeit aber war es all jenen verständlich, die in dem nach 1918 errichteten polnischen Staat ein "häßliches Produkt" machtpolitischer Willkür sahen.
Die Errichtung Polens stand von Anfang an unter unglücklichen Sternen:
mit Billigung oder sogar aktiver Hilfe des Westens überzog Polen
nacheinander jeden seiner Nachbarn mit Krieg. Ohne Rücksicht auf
Völkerrecht und ethnische Gegebenheiten dehnte es seinen Machtbereich auf
ein Maximum aus.
Der Blick in die weitere Geschichte offenbart in dieser Hinsicht eine
traurige Kontinuität:
"Räuberische Landnahme" wurde zur spezifischen Besonderheit der polnischen Politik im 20. Jahrhundert. Die Grundlage für diesen Sonderweg wurde in Versailles gelegt.
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Das "ZKP": |
In Versailles setzten sich die Westmächte bekanntlich entgegen allen Beteuerungen über das Selbstbestimmungsrecht der Völker hinweg. Hinter dem Wortgeklingel von Demokratie und Freiheit ließen sich die wahren Machtinteressen nur mühsam verbergen.
Strategisches Ziel der Siegerstaaten war es, Deutschland von Osten und Westen her in die Zange zu nehmen, um auf Dauer eine Zweifrontenbedrohung aufrechtzuerhalten. Dazu brauchte man Polen. Es bildete gewissermaßen das Widerlager des Westens, den Amboß für den Schlag von der anderen Seite. Deutschland war eine Rückendeckung im Osten und eine Verbindung zu Rußland verwehrt.
Um Polen möglichst stark zu machen, übergab man einer knappen Mehrheit von 16 Millionen Polen die Herrschaft über insgesamt 13 Millionen Angehörige anderer Völker, darunter Millionen von Ukrainern, Weißrussen und Deutschen.
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Diese großen Minderheiten, die in ihren Siedlungsgebieten meist
deutliche Mehrheiten stellten, wurden Opfer einer brutalen Polonisierung
und Verdrängung, die man als erste Vertreibung bezeichnen muß. Im Bezug auf
die Deutschen hieß das Motto der polnischen Politik schon nach dem 1.
Weltkrieg: |
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Das war schwierig, denn nicht einmal 50% des Territoriums waren von
polnischer Bevölkerung bewohnt. Das aufgeblähte Zwischen-Kriegs-Polen
("ZKP") war für viele von Anfang an eine gefährliche Fehlkonstruktion:
ein rückständiger Agrarstaat mit Großmachtdünkel, von einem
aufgeputschten Nationalismus zusammengehalten, von einer Militärjunta
regiert, aggressiv nach innen gegen alle Nicht-Polen und aggressiv nach
außen gegen alle unmittelbaren Nachbarn, eine Art Völkergefängnis von
Englands und Frankreichs Gnaden.
Viele Beobachter sahen schon damals voraus, daß dieses "ZKP" in einen
freien Europa keinen Bestand haben würde. "Die polnische Mastgans hat sich
überfressen, die großen Brocken sind ihr im Halse steckengeblieben", hieß
es spöttisch. In der Tat hat das "ZKP" den ersten Sturm der Geschichte
nicht überstanden, aus vielen Gründen.
Manche sahen in ihm die geplante Sollbruchstelle des Systems von Versailles.
Die "CSR" - der Dolch im Rücken des Reiches
Aber Polen war nicht das einzige Kunstprodukt der Architekten von Versailles.
Wenn man das "ZKP" als eine Mißgeburt bezeichnete, so traf dieser Vorwurf der widerrechtlichen und unnatürlichen Staatsschöpfung in gleichem Maße auf mindestens zwei weitere Produkte des unseligen Vertrages von Versailles zu.
Auch die Tschecho-Slowakei, kurz "CSR", und das "Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen", das ab 1929 Jugoslawien hieß, waren Vielvölkerstaaten, die anders als das polnische Staatsgebilde historisch ohne Beispiel waren.
Eine Verbindung der Tschechen und Slowaken hatte es in der Geschichte nie gegeben. Schon der Name war eine Irreführung. Nicht die Slowaken waren die zweitstärkste Nation in der CSR, sondern die Deutschen. Neben 6 Millionen Tschechen gab es 3,5 Millionen Deutsche, ferner 2,3 Millionen Slowaken, etwa 1 Million Ungarn und 500 000 Ruthenen. "Tschecho-Deutsche Republik" wäre also eine angemessenere Bezeichnung gewesen.
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Von vornherein gründete dieser 5-Völker-Staat auf der Unterdrückung der Deutschen, die seit 1919 beharrlich den Anschluß an das Reich forderten. Die Künstlichkeit des Landes zeigte sich auch in seiner geographischen Form: Das wurmartig langgestreckte Staatsgebiet ragte wie ein Messer in das deutsche Volksgebiet hinein. Den Charakter der CSR als "Dolch im Rücken des Reiches" fanden viele Beobachter dadurch bestätigt, daß die CSR tatsächlich über eine hochgerüstete Militärmaschinerie verfügte, die eine ständige Bedrohung Deutschlands darstellte.
(Natürlich stellt diese Bedrohung keine Rechtfertigung für die Zerschalgung der Rest-Tschechei im Frühjahr 1939 dar. Dennoch bleibt die Frage, wie der Westen die Knechtung von 3,5 Millionen Deutschen durch 6 Millionen Tschechen für 20 Jahre unterstützen konnte, während er die spätere Eingliederung von 6 Millionen Tschechen in ein Reich von 70 Millionen Deutschen als schweren Bruch des Völkerrechts und Kriegsgrund betrachtete, obwohl diese Tschechen seit 1000 Jahren zum Reich gehört hatten und ihnen mehr Autonomie angeboten wurde, als sie selbst den Sudetendeutschen in der CSR gewährt hatten.)
Mehr noch als das "ZKP" konnte man die CSR als ein Kunstprodukt bezeichnen. Es hatte historisch keine Berechtigung und erwies sich schon bald als höchst instabil. Mehr noch als Polen war es ein Staatsexperiment jener westlichen Kreise, die Zwietracht zwischen den Völker zur Grundlage ihres Geschäfts erhoben hatten.
Jugoslawien - ein Multikulti-Experiment
Das dritte künstliche Staatsgebilde der Sieger von Versailles war der Vielvölkerstaat Jugoslawien.
Seine traurige Geschichte ist bekannt.
Auf Betreiben Englands und Frankreichs wurden zahlreiche Völker unter dem Banner westlicher Demokratie-Beschwörungen zu einem Staat zusammengefügt. Im Falle Jugoslawiens waren die ethnischen Verhältnisse noch weitaus verworrener als bei seinen nördlichen Schwestern. Neben Serben, Kroaten und Slowenen, gabe es Mazedonier, Bosniaken, Montengriner, Albaner, Ungarn und Deutsche. Ein Neun-Völker-Staat also, ohne historische Wurzeln, ein weiteres Retortenbaby aus der Giftküche von Versailles.
Die Motive für diese Gründung waren die gleichen wie im Falle ZKP und CSR: Deutschland sollte geschwächt, eingekreist und in die Zange genommen werden.
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Die führenden Gruppen des Westens beschworen die Menschenrechte und legten unter dem Banner der Multikulti-Ideologie die Saat für jene Gewalt, die im serbisch-kroatischen Bürgerkrieg von 1941 bis nach 1945 und in den Unabhängigkeits-Kriegen nach 1990 zum Ausbruch kam. Nach dem Untergang des Vielvölker-Experiments Jugoslawien scheint sich niemand mehr an die Gründe für diesen Irrweg der Geschichte erinnern zu wollen. |
Noch weniger daran, in welchem Ausmaß die Millionen Toten in Jugoslawien
dem Konto britisch-französischer "Friedenspolitik" zuzuschreiben
sind.
Historische Schuld ist eine Kategorie, die offenbar für Sieger selten
angewandt wird.
Versailles - die Tragödie Europas
Erst beim Blick zurück auf Versailles erhellt sich die Geschichte Osteuropas:
Die Gegner Deutschlands im Westen schufen im Osten künstliche Staaten, die sie als Handlanger ihrer Interessen einsetzen konnten. Diese Staaten waren nicht auf Freiheit und Selbstbestimmung gegründet, sie waren daher von Anfang an instabil und gingen schließlich unter.
Der Zerfall Jugoslawiens findet mit der Abspaltung Montenegros in diesen Tagen seinen vorläufigen Abschluß.
Was aus dem Kosovo wird ist ungewiß.
Das Kunstgebilde "Tschechoslowakei" zerbrach ohne großes Getöse ein zweites Mal, nachdem es schon 1938 - auch dank des deutschen Beitrages zum Selbstbestimmungsrecht der Slowaken - zerfallen war.
Und selbst das heutige Polen ist etwas ganz anderes als das aufgeblähte ZKP des Systems von Versailles: an seine Stelle ist ein staatliches Gebilde getreten ist, das auf der Vertreibung oder Ermordung von 10 Millionen Deutschen gegründet ist.
Dieses Kunstprodukt von Jalta steht seinem Vorgänger wohl kaum an Künstlichkeit und machtpolitischer Willkür nach, anders aber als das ZKP erscheint es heute relativ stabil. Das erklärt sich weitgehend daraus, daß mit ihm - und mit den gleichen Geburtshelfern - auch ein neues Deutschland das Licht der Welt erblickt hat, über das zu urteilen hier nicht der Ort ist.
Über die Folgen von Versailles aber ist ein Urteil möglich.
Die in Versailles festgelegte Staatenordnung degradierte Osteuropa zur machtpolitischen Verfügungsmasse des Westens, die zum Kampf gegen Deutschland bereit stand und als Bauernopfer auf das Schlachtfeld geworfen werden konnte.
Hierin liegt die große Tragik der osteuropäischen Geschichte.
Um ein Deutschland zu verhindern, das den ihm gebührenden Platz in Europa einnehmen konnte, auch um ein "Europa der Völker" zu verhindern, und schließlich, um ein Deutschland niederzuringen, das gegen diese Verunstaltung Europas aufbegehrte, zu all diesen "wahrlich demokratischen" Zwecken wurde Osteuropa politisch verkrüppelt, in künstliche Staaten gezwängt, in Stellvertreterkriege verwickelt, auf dem Schlachtfeld geopfert und schließlich - wenn auch als als Trümmerhaufen - an die Sowjets ausgeliefert.
Die Urheber des Systems von Versailles trieben ein teuflisches Spiel: sie schufen die "Kunstprodukte von Versailles", um die Völker Europas gegeneinander ausgespielen und insbesondere die Osteuropäer im Kampf gegen Deutschland nutzbar zu machen.
Darin liegt die große Tragödie, die die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn, Polen und Ukrainer, Tschechen und Slowaken, Kroaten und Serben und viele hier nicht genannte Völker heimgesucht hat.
Versailles steht damit für eine Tragödie, die bei allem Trennenden unsere besiegten und geopferten Völker auch verbindet.
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