So stand es auf dem Gedenkstein für den Freiheitskämpfer Albert Leo Schlageter, der am 23. Mai 1931 nahe der Stätte der Erschießung eingeweiht wurde.
50.000 Menschen waren zu der Gedenk-Veranstaltung erschienen, auf der auch der parteilose Reichskanzler a. D. Wilhelm Cuno die Gedenkrede hielt. In ergreifenden Worten brachte er den Dank des deutschen Volkes für den Heldenkampf Schlageters zum Ausdruck. Schlageter wurde durch seinen Opfergang zum Symbol für den deutschen Widerstand gegen die widerrechtliche Besetzung des Ruhrgebietes.
Über alle Parteigrenzen der Weimarer Zeit hinweg sah man in Schlageter einen mutigen "Helden gegen den französischen Imperialismus" - so der Kommunist Karl Radek - und einen Märtyrer gegen die Abtrennung des Ruhrgebietes vom Reich.
Die Gedenkstätte für Schlageter bestand seit 1924 und wurde nach der Neugestaltung 1931 von einem 27 m hohen Eisenkreuz und einem 4 Meter hohen und 7 Meter breiten steinernen Sarkophag beherrscht. Darunter befand sich ein Gedenkraum, dessen Seitenwände mit den Namen der 141 weiteren Todesopfer des Ruhrkampfes geschmückt waren. Darüber standen die Worte des Arbeiterdichters Heinrich Lersch: "Deutschland muß leben, auch wenn wir sterben müssen."
Am 8. Mai 1923 verkündet ein französisches Militärgericht das Urteil gegen Albert Leo Schlageter und seine sechs Mitangeklagten.
Schlageter wird für schuldig befunden, am 15. März 1923 in Calcum bei Düsseldorf die Bahngeleise durch Sprengung zerstört zu haben. Schlageter wird zum Tode verurteilt, die übrigen Angeklagten zu lebenslänglicher Zwangsarbeit oder hohen Gefängnisstrafen. Das Todesurteil gegen Schlageter erregt in der gesamten zivilisierten Welt Aufsehen und Empörung.
Der Papst, das Internationale Rote Kreuz, und zahlreiche einflußreiche Kreise in der ganzen Welt setzen sich für eine Milderung des Urteils ein, das von einer widerrechtlichen Besatzungsmacht "gegen einen Deutschen verhängt worden war, der nichts anderes getan hatte, als seinem Vaterland in schwerster Not zu dienen."
Die Reichsregierung erhebt schärsten Protest: "Französische Kriegsgerichte haben kein Recht auf deutschem Boden, der von Frankreich widerrechtlich besetzt wurde, über die Freiheit oder gar über Leben und Tod von Deutschen zu befinden.
Die Deutsche Reichsregierung protestiert feierlich gegen den "Mißbrauch der Gewalt...". Die damals unter alliierter Zensur stehende Kölnische Zeitung schreibt: "Gegen den Versailler Vertrag, der Deutschland ohnedies grausam genug knebelt, brechen die Franzosen in deutsches Gebiet ein, und zwar mit einer Rücksichtslosigkeit und einem offenbaren Hß, als stünden sie nicht einer Kulturnation, sondern den barbarischen Stämmen irgendeines dunklen Erdteils gegenüber."
Während zahlreiche Stellen weltweit bemüht sind, eine Begnadigung Schlageters zu erreichen, brüstet sich der französische Ministerpräsident Poincaré vor dem Parlament in Paris seiner besonderen Härte gegen Deutschland. In einer Parlamentsdebatte rühmt er sich, er habe gerade den Befehl zur Eheschließung Schlageters in Düsseldorf gegeben.
Der Vollstreckungs-Befehl des französischen Ministerpräsidenten trifft am 26. Mai 1923, gegen ein Uhr nachts in Düsseldorf ein.
Kurz dann danach wird Schlageter geweckt, Posten ziehen vor der Zelle auf, ein Geistlicher nimmt die letzte Beichte ab, dann geht es hinaus auf den Hof des Gefängnisses und in einem dort wartenden Militär-LKW durch das noch schlafende Düsseldorf. Der Wagen führt hinaus auf die Golzheimer Heide.
Eine Grube ist dort ausgehoben, daneben steht ein weißer Pfahl, an den Schlageter gebunden wird. Seine letzten Worte zu dem Geistlichen sind: Größen sie meine Freunde und mein Deutschland!
Man befiehlt ihm niederzuknien, Schlageter schüttelt den Kopf, er will stehend sterben, ein französischer Sergeant tritt ihm von hinten in die Knie, so daß er zu Boden sinkt. Das Erschießungskommando wird unruhig, ein Offizier gibt hastig seine Befehle. Während Schlageter sich wieder erhebt, zerreißt eine Salve die morgendliche Stille. Der Körper sinkt zusammen, doch noch einmal bäumt er sich auf, ein französischer Offizier eilt herbei und feuert einen Pistolenschoß in seine Schläfe. Schlageter ist umgebracht. Der Leichnam wird in den folgenden Tagen in Schlageters Heimatort Schönau im Schwarzwald gebracht.
Tausende folgen dem mit einer schwarz-weiß-roten Flagge geschmückten Sarg, als Offiziere ihn zum Bahnhof in Düsseldorf tragen. Auf den Bahnhöfen und längs der Bahnstrecke bilden Abertausende ein fast ununterbrochenes Trauergeleit und erweisen Schlageter die letzte Ehre.
Das Schlagetergedenken führt in den folgenden Jahren zeitweise mehr als 150.000 Menschen in Düsseldorf zusammen.
Schlageters Todestag ist ein nationaler Gedenktag.
Unter dem Druck der Tributzahlungen, die das Diktat von Versailles Deutschland aufgezwungen hat, wird Deutschland bis an der Rand seiner Leistungsfähigkeit ausgebeutet. Dennoch sinnt Frankreich darauf, das Land weiter zu schwächen und die Annexionsbestrebungen durchzusetzen, die ihm die USA in Versailles versagt haben.
Als im Jahre 1922 Deutschland einen geringfügigen Rückstand in seinen Kohle-Lieferungen zu verzeichnen hat, nimmt die französische Regierung dies zum Anlaß, am 11. Januar 1923 mit 5 Divisionen in das Ruhrgebiet einzufallen. Die Besetzung seines wirtschaftlichen Herzens trifft Deutschland hart, die Abtrennung des Ruhrgebietes vom Reich ist das offene Ziel einer chauvinistischen französischen Politik.
Durch die Bestimmungen von Versailles ist Deutschland wehrlos gemacht, die Reichswehr muß sich hundert Kilometer hinter den Rhein zurückziehen, es besteht deshalb keine andere Möglichkeit als passiver Widerstand gegen den französischen Überfall.
Deutschland erklärt, daß es während der Dauer des Rechtsbruches weder Sachlieferungen noch Zahlungen leisten werde. Die Arbeiter an der Ruhr treten in den Generalstreik, die Unterstützung für die darbende Bevölkerung verschärft die Finanzlage des Reiches auf das Äußerste.
Die Franzosen beginnen mit Verhaftungen, nehmen zahlreiche Bürger als Geiseln, verbieten öffentliche Versammlungen und verhängen härteste Strafen bei Widerstand gegen die Besatzungsmacht. Auf den Straßen wütet ein übler Besatzungsterror, mit Kolbenhieben werden Zivilisten behandelt, wenn sie nicht schnell genug auf dem Bürgersteig Platz machen. Krankenhäuser werden beschlagnahmt und die Patienten einfach hinausgeworfen, Warenhäuser und Juwelier-Geschäfte werden von französischen Soldaten geplündert, die Behandlung mit der Reitpeitsche kommt bei den Offizieren in Mode. Die Zustände in den Gefängnissen sind von Folter und Sadismus geprägt. Mit Maschinengewehren schießt man in friedliche Versammlungen. Als alle Zwangsmaßnahmen versagen, übernimmt Frankreich die Verwaltung des Ruhrgebietes, holt Tausende französischer Arbeitskräfte ins Land und schiebt die deutschen Beamten in das unbesetzte Deutschland ab. Wohnungen müssen binnen 24 Stunden geräumt werden, aller Hausrat muß zurückbleiben, manchmal müssen auch 10 min reichen, um die Wohnung zu verlassen. Kommandos der gefürchteten Saphis, der Senegal-Neger, sorgen für den entsprechenden Nachdruck.
Und 150.000 Deutsche werden so von Haus und Hof vertrieben.
Der Terror erreicht seinen blutigen Höhepunkt am Ostersamstag 1923.
Ein französisches Militär Kommando besetzt die Krupp Werke in Essen und versucht alle verfügbaren Fahrzeuge zu beschlagnahmen. Die Nachricht verbreitet sich unter den Krupp-Arbeitern wie ein Lauffeuer. Sie sammeln sich vor der Fahrzeughalle und leisten passiven Widerstand. Daraufhin eröffneten die Franzosen das Feuer aus Maschinengewehren und zerstreuen die Menschenmenge. 30 Schwerverletzte und 11 Tote sind am diesem blutigen Ostersamstag zu beklagen.
Die französische Gewaltherrschaft föhrt dazu, daß die Männer der Freikorps den Widerstand organisieren. Jene Männer, die in den Schützengräben des Krieges gestählt sind und die mehr als einmal ihr Leben für Deutschland aufs Spiel gesetzt haben, haben in den Freikorps den Kampf gegen den Bolschewismus im Baltikum und den polnischen Chauvinismus in Oberschlesien aufgenommen, als das Reich 1918 am Boden lag. Sie haben die Reichsregierung dreimal vor einem kommunistischen Umsturz bewahrt, und jetzt sehen sie das wehrlose Deutschland wieder bedroht.
Die Männer der Freikorps sammeln sich im Untergrund, um den Widerstand gegen den Aggressor organisieren. Einer jener unerschrockenen Freikorps-Führer ist der junge Leutnant Albert Leo Schlageter.
Er erinnert uns an eine unbegreifliche Zeit, und auch an eine für viele heute unbegreifliche Liebe zum Vaterland. An einen Einsatz, bei dem viele bereit waren, alles für Deutschland zu geben.
Er mahnt uns heute, jene nicht gering zu schätzen oder zu vergessen, für die nationale Freiheit und das Recht des eigenen Volkes höher standen als persönlicher Vorteil und privates Wohlergehen. Und er stellt uns die Frage, zu welchem Einsatz wir bereit sind.
Renate Romeikat
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